Zukunft: Gesundheit "Versorgungssicherheit gewährleisten"

Die Sicherstellung einer flächendeckenden und hochwertigen Gesundheitsversorgung ist eine zentralen Aufgaben unseres Sozialsystems. Gerade in Zeiten wachsender Herausforderungen zeigt sich, dass Versorgungssicherheit kein Selbstläufer ist, sondern stetige Anpassung und kluge Steuerung erfordert. Zunehmend wird sichtbar, dass die bestehenden Strukturen an ihre Grenzen stoßen. Besonders im Bereich der Spitalslandschaft zeigt sich, dass die Ressourcen zwar beachtlich, aber nicht immer optimal genutzt werden. Doppelgleisigkeiten, mangelnde Koordination zwischen den Versorgungsstufen und unklare Zuständigkeiten gefährden die Zielsetzung einer bedarfsgerechten, patientenorientierten Betreuung. Es bleibt festzuhalten, dass Akteure wie die Österreichische Gesundheitskasse und die Bundesregierung ihrer Verantwortung oft nur unzureichend nachkommen. Während die ÖGK mit starren Strukturen und zögerlicher Reformbereitschaft notwendige Innovationen im niedergelassenen Bereich bremst, fehlt es auf Bundesebene an einer klaren strategischen Linie, die über kurzfristige Maßnahmen hinausgeht. „Die Versorgungssicherheit im Gesundheitswesen ist eine der zentralen Aufgaben des Staates und darf niemals zur Disposition stehen. Wir sehen, dass unsere Spitäler und Ärzte tagtäglich am Limit arbeiten, während auf Bundesebene und bei der ÖGK dringend notwendige Entscheidungen auf die lange Bank geschoben werden. Wir benötigen klare Rahmenbedingungen, damit die vorhandenen Ressourcen effizient eingesetzt werden können. Nur so stellen wir sicher, dass Patienten auch in Zukunft rasch die medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen“, so Landeshauptmann-Stv. LPO Dr. Manfred Haimbuchner. „Die Bundesregierung darf die Versorgungssicherheit in Österreich nicht länger dem Zufall überlassen. Solange wichtige Entscheidungen verzögert und notwendige Rahmenbedingungen nicht geschaffen werden, bleiben Patienten die Leidtragenden. Oberösterreich ist bereit, seine Ressourcen effizient einzusetzen und Verantwortung zu übernehmen, doch die Planlosigkeit und Reformverweigerung auf Bundesebene gefährdet die Versorgung vor Ort. Wir erwarten, dass die Bundesregierung endlich handelt, damit unsere Bevölkerung wieder rasch und zuverlässig medizinisch versorgt werden kann“, so NAbg. Mag. Gerhard Kaniak.

Entlastung durch effiziente Patientenlenkung

Derzeit verbleiben viele Patienten in ihrem „Heimatspital“. Die Wartezeiten für operative Eingriffe unterscheiden sich jedoch erheblich - für die gleiche Operation können zwischen einzelnen Standorten Wartezeitdifferenzen von bis zu einem Jahr auftreten – insbesondere für Kassenpatienten. Um sowohl eine adäquate Patientenversorgung zu gewährleisten als auch einen koordinierten Patientenstrom zu ermöglichen, genügt es nicht, die Wartezeiten lediglich regelmäßig auf den Klinik- Websites zu aktualisieren. Vielmehr ist ein System zu implementieren, das Patienten aktiv an das Klinikum mit der kürzesten Wartezeit verweist. Gerade älteren Menschen kann nicht zugemutet werden, eigenständig Kliniken zu vergleichen und gegebenenfalls von einem Spital in ein anderes zu wechseln. Dafür ist eine transparente, trägerübergreifende Übersicht notwendig, die klar aufzeigt, wann und wo welche Kapazitäten verfügbar sind. Entlassungsmanagement – ein Schlüssel zur Entlastung Die Nachbetreuung von Patienten erfolgt derzeit häufig unnötigerweise im Krankenhaus selbst und setzt oft erst unmittelbar bei der Entlassung an. Dieses Defizit hat weitreichende Folgen. Patienten müssen etwa zur Nachbetreuung ins Spital zurückkehren, weil niedergelassene Ärzte nicht in ausreichendem Maß verfügbar sind. Gleichzeitig verzögern sich Entlassungen, da zu Hause keine Betreuung gewährleistet ist oder Rehabilitationsmaßnahmen nicht nahtlos anschließen können. Dadurch bleibt ein Bett länger belegt, das für andere Patienten benötigt würde. Zugleich gelangen etwa Angehörige in die Not, sich Urlaub für die Pflege ihrer Angehörigen nehmen zu müssen, da die Weiterversorgung nicht gewährleistet ist. Dass ein ineffizientes Entlassungsmanagement weitreichende Folgen hat – über die Spitalstrukturen hinaus – ist daher selbsterklärend. Ein konsequentes Entlassungsmanagement kann diese Situation grundlegend verbessern. Durch gezielte Nachbetreuung – etwa über telemedizinische Angebote oder durch den Einsatz von „Advanced Practice Nurses“ – wird eine kontinuierliche Versorgung ermöglicht, ohne dass Patienten erneut ins Krankenhaus oder zu kaum verfügbaren niedergelassenen Stellen zurückkehren müssen. Gleichzeitig fördert eine frühzeitige und transparente Koordination zwischen Spital, Nachsorge und Rehabilitation den Genesungsprozess und erleichtert eine raschere Entlassung. Damit werden nicht nur die Patienten besser versorgt, sondern auch die knappen Spitalsressourcen effizienter genutzt.

Effizientere Nutzung von Ressourcen

Die unzureichende Abstimmung zwischen den bereits vorhandenen Strukturen kostet wertvolle Ressourcen und beanspruchen unser System zusätzlich. Doppeluntersuchungen verursachen nicht nur vermeidbare Kosten, sondern belasten auch die Kapazitäten in den Spitälern. Integrierte Versorgungsmodelle, die verschiedene Leistungserbringer enger miteinander verzahnen, könnten hier wesentliche Verbesserungen erzielen. Besonders deutlich zeigt sich das am Beispiel der Magnetresonanztomographie (MRT). Während im niedergelassenen Bereich deutlich längere Betriebszeiten dokumentiert werden, sind die öffentlichen Geräte ineffizient ausgelastet. Anstatt weitere MRT-Geräte anzuschaffen – wie es politisch zuletzt umgesetzt wurde – ist daher vor allem eine intelligente Ausweitung der Laufzeiten und ein wirtschaftlicher Umgang mit den bereits vorhandenen Ressourcen zu priorisieren. Auf diese Weise ließen sich die bestehenden Kapazitäten wesentlich besser nutzen, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen.

„One-Stop-Shop“-Vorsorgeuntersuchung nach KFL-Vorbild

Vorsorge ist ein zentrales Thema, doch der Zugang zu Arztterminen ist vielerorts eingeschränkt. Ein „One-Stop-Shop“-Modell, wie es bei der KFL im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bereits existiert, könnte hier Abhilfe schaffen. Patienten hätten dadurch die Möglichkeit, sämtliche Vorsorgeuntersuchungen an einem Ort und in einem Termin gebündelt durchführen zu lassen. Das erleichtert nicht nur den Zugang zu Fachärzten, sondern entlastet zugleich die Kassenärzte von unnötigem Termindruck. Die ÖGK muss hier tätig werden. „Patientenlenkung durch ein transparentes System, das aufzeigt in welchem Krankenhaus der schnellste OP-Termin zu bekommen ist, durch die Bündelung der Ressourcen an einem Ort, sowie durch ein strukturiertes Entlassungsmanagement würde unser Gesundheitssystem massiv entlasten. Auch die weitergehende „Nachversorgung“ muss sofort mitgeplant werden, damit der Behandlungserfolg nicht gefährdet wird und eine rasche Genesung gewährleistet wird. Dafür sind auch eine dramatische Verbesserung bei der Terminfindung und Organisation für Reha, pflegerische Nachversorgung inkl. Wundversorgung und anderen die Heilung unterstützenden Therapien notwendig“, so der freiheitliche Gesundheitssprecher NAbg. Mag. Gerhard Kaniak.

Alarmierende Versorgungslücke: Keine Vereinbarung zwischen AUVA und Land Oberösterreich

Oberösterreich ist derzeit das einzige Bundesland, in dem es noch keine Vereinbarung zwischen der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) und dem Land gibt. Damit besteht ein erhebliches Risiko für die Versorgungssicherheit:

  • Das Unfallkrankenhaus (UKH) Linz ist auf dem Papier ausschließlich für Arbeitsunfälle zuständig und hat keinen offiziellen Versorgungsauftrag.
  • Faktisch übernimmt das UKH Linz jedoch bereits jetzt rund 50 % der traumatologischen Fälle in der Region.
  • Ohne entsprechende vertragliche Absicherung könnte die Traumaversorgung in Linz und Oberösterreich von heute auf morgen wegbrechen – ein Szenario, das mit der abrupten Schließung des Lorenz-Böhler-Spitals in Wien vergleichbar wäre.

Versorgung von Schwerbrandverletzten seit 2017 nicht mehr in Linz möglich

Bei der Versorgung von Schwerbrandverletzten ist dieses Szenario bereits eingetreten. Seit 2017 gibt es am Industriestandort Linz keine spezialisierte Versorgung mehr für Brandopfer. Zuvor war die Behandlung im UKH Linz angesiedelt, seither müssen Patienten nach Wien oder Graz verlegt werden. Der Grund liegt unter anderem in den zu geringen Refundierungen für die hohen Behandlungskosten. Genau dieses Beispiel zeigt, wie schnell eine hochspezialisierte Versorgung wegbrechen kann. Theoretisch ist ein ähnliches Szenario auch für die grundlegende Traumaversorgung denkbar, sollte es zu keiner nachhaltigen Regelung kommen.

„Bereits Ende 2024 gab es hier seitens der FPÖ Linz eine parteiübergreifende Resolution an alle zuständigen Ebenen. Die Etablierung von Trauma-Zentren und eine enge Kooperation zwischen AUVA und öffentlichen Häusern war schon unter der Schwarz-Blauen Bundesregierung 2017-2019 deklariertes Ziel. Das hier gerade im bevölkerungsreichen Industrie-Bundesland Oberösterreich keine spezialisierte Versorgung von Brandopfern mehr angesiedelt ist, zeigt wie wichtig die Überarbeitung der Gesundheitsstrukturen ist. Doch auch hier bleibt die aktuelle Bundesregierung vollkommen mutlos, wie sich am derzeit in Begutachtung befindlichen Österreichischen Strukturplan Gesundheit zeigt“, betonen Dr. Haimbuchner und Mag. Kaniak unisono.

Ärzteschaft honorieren – ÖGK gefragt

Als freier Berufsstand vertritt die Ärzteschaft nicht nur die Anliegen ihrer Berufsgruppe, sondern auch die damit in Zusammenhang stehenden Interessen der an sie herantretenden Bürger. Wo die Rechtsanwaltschaft einen von staatlichen Eingriffen freien Zugang zum Recht ermöglicht, garantiert die Ärzteschaft einen von staatlichen Eingriffen freien Zugang zur Gesundheit. Was das konkret bedeutet, wird am Beispiel der ärztlichen Verschwiegenheitspflicht deutlich. Diese schützt nicht etwa den Patienten vor dem Arzt, sondern den Bürger vor dem Staat. Ohne die Ärzteschaft und deren Vertretung wäre eine gesundheitliche Versorgung der Österreicher nicht zu garantieren. Wir müssen als Gesellschaft darüber reflektieren, was Sozialversicherung im Jahre 2025 noch sein kann und was sie sein soll. Pointiert formuliert, kann man sagen, dass das Solidarsystem im Grunde überholt ist, weil es aus einer Zeit stammt, in der der Sozialstaat einen nicht vollumfänglich aufgefangen hat. Heute haben wir ein zwangsfinanziertes Solidarsystem in der Gesundheitsversorgung und einen zwangsfinanzierten Sozialstaat, der niemanden mehr fallen lässt. Damit ist die Sozialversicherung in Wahrheit eine Doppelstruktur und eine Funktionärslandschaft, die die ohnehin komplexe Gesundheitsversorgung noch komplizierter macht. Derzeit ist es so, dass Vertreter von Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer und Gewerkschaften, die nicht direkt von den Versicherten gewählt sind, in der Sozialversicherung über die erstattbaren Leistungen mitbestimmen. Diese Funktionäre mandatieren Abteilungsleiter, die dann festlegen, welche Leistungen solidarfinanziert übernommen werden und welche nicht. Und dann wird in einer Funktionärsversammlung per Abstimmung über den Leistungskatalog entschieden. Das ist ein Entscheidungsprozess, der weder transparent noch ausreichend legitimiert ist und der dringend reformiert werden muss. Auf den Punkt gebracht müssen wir uns die Frage stellen, ob es wirklich im Sinne der Versicherten ist, dass Funktionäre der Gewerkschaft Bau-Holz darüber entscheiden, welche Therapien vergütet werden und welche nicht. Wir fordern deshalb eine klare, nachvollziehbare und patientenorientierte Neuordnung dieser Entscheidungsprozesse, damit die Menschen im Land darauf vertrauen können, dass über ihre Gesundheitsversorgung nicht von Funktionären hinter verschlossenen Türen entschieden wird, sondern nach klaren, fairen und modernen Regeln.

Dieses Land verzeichnet momentan 22.000 ÖGK-Mitarbeiter und mit einem solchen Personalpotenzial muss die Betreuung der Beitragszahler noch weit besser funktionieren. Wenn die eigenständige Sozialversicherung weiterhin eine Daseinsberechtigung haben will, dann muss sie näher am Versicherten sein. Es reicht nicht, wie derzeit lieblose Massen-E-Mails mit dem Hinweis auf Vorsorgeprogramme zu verschicken, sondern man muss diese Mitarbeiter zu echten, proaktiven Gesundheitsmanagern ausbilden, die beispielsweise auch telefonisch auf die Versicherten zugehen. Wir sehen aktuell wieder in den Bundesländern, dass die ärztliche Versorgung auf der Kippe steht, weil keine Einigungen bei den Verhandlungen mit der ÖGK erzielt werden können. In Wien sagt die ÖGK öffentlich, dass das Bevölkerungswachstum ohnedies zu einer Erhöhung des Einkommens für Ärzte führen wird. „Stellen wir uns nur einmal vor, der Gewerkschaft würde mitgeteilt, dass es zwar keine Erhöhung des Stundenlohns gibt, wir dafür jetzt aber die 48-Stunden- Woche einführen und dass die Arbeiter dadurch ja ohnehin mehr verdienen – undenkbar. Bei den Ärzten passiert aber gerade genau das. Es muss wirklich ein fundamentales Umdenken im Gesundheitssystem stattfinden, wenn wir dieses System noch für die kommenden Jahre und erst recht für kommende Generationen stabil halten wollen“, betont Dr. Haimbuchner. „Das Österreichische Vertragsärztesystem hat sich selbst an den Rand des Kollaps gebracht. Wo früher Ärzte jahrelang auf eine Kassenstelle gewartet und hohe Ablösen bezahlt haben, bleiben immer mehr Stellen unbesetzt. Stattdessen „blüht“ der Wahlarztbereich. Auch hier setzt unser System die vollkommen falschen Anreize und schafft mit einseitigen Subvention für Primärversorgungs- und Facharztzentren eine zusätzliche Diskriminierung von allen anderen Ärzten, die lieber unabhängiger arbeiten. Um all die Fehlanreize zu beseitigen und auch das Hin- und Herschieben von Patienten zwischen Niedergelassenem- und Spitalsbereich zu beenden, braucht es die „Finanzierung aus einer Hand“, was im Endeffekt auf eine komplette Neuordnung unseres Gesundheitssystems hinaus läuft“, stellt Kaniak zum Abschluss klar.

 

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Bild: FPÖ OÖ

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